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Freital von A bis Z - D wie Dathepark

D wie Dathepark — Erinnerung an die Anfänge Freitals

Der Dathepark im Freitaler Stadtteil Altburgk ist eine kleine, aber historisch äußerst bedeutende Gedenkanlage in unmittelbarer Nähe von Schloss Burgk. Auf den ersten Blick wirkt der Ort unscheinbar: eine gestaltete Grünanlage mit Treppen, Balustrade, Lindenrondell und Gedenkstein. Tatsächlich steht er jedoch symbolisch für die industrielle Entwicklung des Döhlener Beckens und für jene Persönlichkeiten, ohne die es die Stadt Freital in ihrer heutigen Form kaum gäbe.

Die Anlage erinnert vor allem an Arthur Freiherr Dathe von Burgk (1823–1897) und seine Familie, die über Jahrzehnte hinweg die Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke leitete — eines der bedeutendsten Industrieunternehmen Sachsens im 19. Jahrhundert.

Die Unternehmerfamilie Dathe von Burgk

Die Familie Dathe von Burgk gehörte zu den prägenden Akteuren der Industrialisierung im Raum Dresden. Bereits Arthur Dathe von Burgks Vater, Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk, hatte ab 1819 begonnen, moderne Montanbetriebe aufzubauen und Kohleförderung, Eisenverarbeitung, Maschinenbau und Energiegewinnung in einem Unternehmen zu vereinen — für damalige Verhältnisse ein innovatives und risikoreiches Konzept.

Arthur Dathe von Burgk wuchs in diesem Umfeld auf und wurde früh auf seine Rolle als Unternehmensnachfolger vorbereitet. Nach schulischer Ausbildung in Dresden studierte er an der Bergakademie Freiberg sowie in Berlin und Leipzig Bergbau, Naturwissenschaften und Philosophie. 1849 trat er in die Leitung der Burgker Werke ein und übernahm 1854 schließlich die Gesamtverantwortung.

Unter seiner Führung wurden neue Förderschächte abgeteuft, moderne Technik eingesetzt und die Produktion weiter gesteigert. Die Steinkohlenwerke erreichten in dieser Zeit ihre höchste Fördermenge und wirtschaftliche Bedeutung. Tausende Menschen in der Region fanden Arbeit in den Betrieben — ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur späteren Stadtgründung Freitals.

Unternehmer mit sozialem Engagement

Arthur Dathe von Burgk verstand seine Rolle nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial. Für seine Bergleute und deren Familien ließ er Einrichtungen schaffen, die für die damalige Zeit außergewöhnlich fortschrittlich waren. Dazu gehörten unter anderem:

  • ein Knappschaftshospital (Bergarbeiterkrankenhaus)
  • Unterstützung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen
  • finanzielle Stiftungen für soziale Zwecke
  • Förderung kirchlicher Bauprojekte in der Region

Gleichzeitig engagierte er sich politisch: Er war über Jahrzehnte Abgeordneter im Sächsischen Landtag und nahm als wohlhabender Grundbesitzer und Unternehmer Einfluss auf die Entwicklung des Königreichs Sachsen.

Tragische Ereignisse und Verantwortung

Ein besonders einschneidendes Ereignis war die Schlagwetterexplosion von 1869, bei der 276 Bergleute ums Leben kamen — das schwerste Grubenunglück in der Geschichte Sachsens. Die Bergung der Opfer, die Versorgung der Hinterbliebenen und die Aufarbeitung des Unglücks prägten das weitere Leben Dathe von Burgks nachhaltig.

Dieses Ereignis verdeutlicht, unter welchen Risiken und Belastungen der industrielle Fortschritt im 19. Jahrhundert stand — und wie eng wirtschaftlicher Erfolg und menschliches Leid miteinander verbunden sein konnten.

Entstehung des Datheparks

Die Gedenkanlage entstand 1897, im Jahr des Todes Arthur Dathe von Burgks. Sie wurde bewusst als Erinnerungsort für ihn und weitere Persönlichkeiten der Burgker Werke geschaffen. Mehrere Gedenksteine, darunter auch ältere aus den Jahren 1871 und 1897, sind Bestandteil der Anlage.

Gestalterisch handelt es sich um eine typische repräsentative Parkanlage des späten 19. Jahrhunderts. Zu ihr gehören:

  • eine aufwendig angelegte Treppenanlage
  • Balustraden
  • ein Lindenrondell
  • Gedenksteine
  • eine parkähnliche Gestaltung

Die Anlage fügt sich in das historische Ensemble rund um Schloss Burgk ein, das als Zentrum der Burgker Besitzungen diente.

Bedeutung für Freital heute

Heute ist der Dathepark kein stark frequentierter Freizeitpark, sondern ein ruhiger Ort der Erinnerung. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Geschichte, die er verkörpert:

  • Zeugnis der Industrialisierung des Döhlener Beckens
  • Erinnerung an die Ursprünge der Stadt Freital
  • Teil des kulturellen Erbes der Region
  • Symbol für Unternehmergeschichte und Bergbau
  • Bestandteil des denkmalgeschützten Ensembles um Schloss Burgk

Gerade weil der Ort unscheinbar wirkt, lohnt sich ein genauer Blick: Er macht deutlich, wie sehr Freitals Entstehung mit dem Steinkohlebergbau und den Entscheidungen einzelner Unternehmer verbunden ist.

Ein kleiner Ort mit großer Geschichte

Der Dathepark steht exemplarisch für viele Orte in Freital, deren Bedeutung sich erst durch ihren historischen Hintergrund erschließt. Er erinnert an eine Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen — und an Menschen, die diese Entwicklung maßgeblich geprägt haben.

Ohne die Burgker Werke und ihre Leiter wäre das Döhlener Becken vermutlich ein ländlich geprägtes Gebiet geblieben. Der Dathepark ist daher nicht nur eine Gedenkanlage, sondern ein Symbol für die Wurzeln der Stadt Freital.

Bildnachweise:

© Wikimedia Commons / Dr. Bernd Gross