B wie Ballsäle Coßmannsdorf – Ein Haus für Kultur, Vereine und Begegnung
Die Ballsäle Coßmannsdorf, vielen Freitalern schlicht als „BC“ bekannt, gehören zu den traditionsreichsten Veranstaltungsorten der Stadt. Seit über einem Jahrhundert stehen sie für Geselligkeit, Vereinsleben und kulturelle Vielfalt. Gelegen am Eingang des Rabenauer Grundes und unmittelbar am Haltepunkt Coßmannsdorf der Weißeritztalbahn, waren und sind die Ballsäle ein wichtiger Treffpunkt für Einheimische, Ausflügler und Gäste aus der gesamten Region.
Heute präsentieren sich die Ballsäle Coßmannsdorf nach umfassender Sanierung wieder als moderner, barrierefreier Veranstaltungs- und Gastronomiestandort – offen für alle Generationen und fest im gesellschaftlichen Leben Freitals verankert.
Entstehung und frühe Nutzung
Die Geschichte der Ballsäle beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. Nachdem der Gastwirt Max Bruno Wetzlich 1909 das Grundstück in Coßmannsdorf erworben hatte, ließ er dort eine großzügige Gast- und Veranstaltungsstätte errichten. Am 11. Februar 1911 eröffnete das Haus zunächst unter dem Namen „Einkehr“ – entwickelte sich jedoch schnell zu einem beliebten Ausflugs- und Veranstaltungsort.
Die Ausstattung war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich:
Ein großer Saal für bis zu 750 Personen, ein kleinerer Saal mit Bar, ein Konzert- und Biergarten mit Tanzfläche, Fremdenzimmer sowie eine eigene Kegelbahn machten die Ballsäle zu einem Anziehungspunkt weit über Coßmannsdorf hinaus. Die gute Verkehrsanbindung durch die Schmalspurbahn trug zusätzlich zur Beliebtheit bei.
1928 übernahm Emil Löffler das Haus und modernisierte es weiter. Besonders markant war die weithin sichtbare, beleuchtete „BC“-Aufschrift auf dem Dach – ein frühes Beispiel für gezielte Außendarstellung und Wiedererkennungswert
Kriegsjahre und wechselhafte Nachkriegszeit
Während des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Nutzung der Ballsäle grundlegend. Ab 1942 wurden sie zeitweise von der Wehrmacht genutzt, später dienten sie unter anderem als Unterkunft für Kriegsgefangene und Umsiedler. Der reguläre Veranstaltungsbetrieb kam in dieser Zeit vollständig zum Erliegen.
Nach dem Krieg kehrte ab 1947 schrittweise wieder Normalität ein. Tanzveranstaltungen und gesellschaftliche Abende fanden erneut statt, 1951 wurde die erste Faschingsveranstaltung durchgeführt – der Beginn einer Tradition, die das Haus bis heute prägt. Ab 1955 wurde das Objekt von der Handelsorganisation (HO) betrieben und entwickelte sich zu einem überregional bekannten Veranstaltungsort für Tanzwettbewerbe, Konzerte, Kabarett und Karneval.
Herausforderungen nach der Wende und bürgerschaftliches Engagement
Die wirtschaftlichen Umbrüche nach der deutschen Wiedervereinigung führten 1993 zur vorübergehenden Schließung des Gastbetriebes. Zwar wurde der Betrieb später wieder aufgenommen, doch Leerstand, Investitionsstau und schließlich die Weißeritzflut 2002 setzten dem Gebäude schwer zu. Besonders einschneidend war der Verlust der Kegelbahn sowie erhebliche Schäden an der Bausubstanz und der Haustechnik.
Trotz dieser Rückschläge blieb das gesellschaftliche Leben nicht vollständig aus. Der Faschingsverein Hainsberg e. V.sowie der eigens gegründete Verein zum Erhalt der Ballsäle Coßmannsdorf e. V. hielten mit großem persönlichem Einsatz Veranstaltungen aufrecht und kämpften über Jahre hinweg für den Erhalt des kulturhistorisch bedeutsamen Gebäudes.
Erwerb durch die Stadt und umfassende Sanierung
Um den dauerhaften Erhalt der Ballsäle zu sichern, erwarb zunächst 2016 die städtische Wohnungsgesellschaft Freital (WGF) das Objekt. 2018 folgte der Ankauf durch die Stadt Freital, um Fördermittel für eine umfassende Sanierung zu ermöglichen. Der Stadtrat stimmte dieser Grundsatzentscheidung ausdrücklich zu.
Zwischen 2016 und 2024 wurde das Gebäude mit einem Gesamtvolumen von rund 7 Millionen Euro denkmalgerecht saniert. Etwa die Hälfte der Kosten wurde durch Städtebaufördermittel von Bund und Land getragen. Die Maßnahmen umfassten unter anderem:
- energetische Sanierung von Dach und Fassade
- neue Fenster und Schallschutzmaßnahmen
- vollständige Erneuerung der Haustechnik
- barrierefreien Ausbau mit Aufzug und behindertengerechten Sanitäranlagen
- neue Vereins- und Mehrzweckräume
- Neugestaltung des Außenbereichs mit Biergarten und Spielplatz
Am 19. April 2024 wurden die Ballsäle Coßmannsdorf feierlich wiedereröffnet.
Bedeutung für Freital heute
Heute erfüllen die Ballsäle Coßmannsdorf vielfältige Funktionen für die Stadt:
Sozial und kulturell
Die Ballsäle sind wieder ein zentraler Ort für Kultur, Vereinsleben und Veranstaltungen – von Fasching über Konzerte und Theaterabende bis hin zu privaten Feiern und Tagungen.
Gastronomisch
Die von der TWF – Technische Werke Freital GmbH betriebene Gaststätte bietet regionale Küche, einen Brausaal sowie einen großzügigen Biergarten. Damit ist das BC auch im Alltag ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.
Wirtschaftlich und städtebaulich
Als Gemeinbedarfseinrichtung stärkt das Haus die Attraktivität des Stadtteils Hainsberg und trägt zur Belebung des Umfeldes bei.
Identitätsstiftend
Die Ballsäle stehen sinnbildlich für den Zusammenhalt, das ehrenamtliche Engagement und den Willen vieler Bürgerinnen und Bürger, ihr kulturelles Erbe zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Eine besondere Geschichte
Eine Besonderheit der Ballsäle Coßmannsdorf ist ihre erstaunliche Widerstandsfähigkeit: Trotz Krieg, wirtschaftlicher Umbrüche, Hochwasserschäden und jahrelanger Unsicherheit ist das Haus nie vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben verschwunden. Möglich wurde dies durch das Engagement von Vereinen, Ehrenamtlichen und schließlich durch eine klare Entscheidung der Stadt, diesen Ort als Kulturzentrum für die Zukunft zu sichern.
Die Ballsäle Coßmannsdorf sind damit nicht nur ein historisches Gebäude, sondern ein lebendiger Beweis dafür, wie Stadtgeschichte, Bürgersinn und Zukunftsgestaltung miteinander verbunden sein können.