„Wie geht es weiter mit Schule & Kita?“ – intensive Diskussion mit Kultusminister Conrad Clemens in Freital
Wie reagieren wir auf sinkende Kinderzahlen? Wie können Schulstandorte erhalten werden? Was bedeutet der demografische Wandel für Kitas und Horte? Und wie muss sich Unterricht verändern? Über diese und viele weitere Fragen diskutierten am 1. September rund 95 Gäste aus dem gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit Sachsens Kultusminister Conrad Clemens im Stadtkulturhaus Freital.
Unter den Gästen waren besonders viele Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie Beschäftigte aus den Horten, aber auch Eltern. Entsprechend praxisnah und konkret wurde die Diskussion.
Nach der Begrüßung durch unseren CDU-Kreisvorsitzenden Peter Darmstadt gab Kultusminister Clemens zunächst einen rund 20-minütigen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der sächsischen Bildungslandschaft. Dabei begann er mit einem ausdrücklichen Dank an die Menschen, die jeden Tag Verantwortung für Kinder und Jugendliche übernehmen. Lehrer und Erzieher seien ein wesentliches Rückgrat unserer Gesellschaft – schließlich würden sie die Grundlagen schaffen, auf denen alle späteren Bildungs- und Berufswege aufbauen.
Demografie und Unterrichtsausfall: Sachsen steht vor Veränderungen
Ein Schwerpunkt des Abends war die demografische Entwicklung. Während Sachsen nach der Wiedervereinigung zunächst einen massiven Einbruch der Geburtenzahlen erlebte, stiegen die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren wieder deutlich an. Nun zeichnet sich erneut eine Trendwende ab.
Für den Kultusminister ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz: Die Fehler der Vergangenheit sollen sich nicht wiederholen. Er erinnerte daran, dass Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre zahlreiche Schulen geschlossen wurden. Heute soll ein Rückgang der Schülerzahlen nicht automatisch zu einer neuen Welle von Schulschließungen führen.
Stattdessen könnten kleinere Klassen und flexiblere Lösungen helfen, Schulstandorte zu erhalten. Das wurde später anhand einer Frage aus dem Publikum sehr konkret: Was passiert beispielsweise mit einer Grundschule im ländlichen Raum, wenn künftig nur noch sieben oder acht Kinder eingeschult werden? Der Minister machte deutlich, dass eine solche Entwicklung nicht automatisch eine Schließung bedeuten müsse. Eine Möglichkeit könne dann etwa jahrgangsübergreifender Unterricht sein.
Gleichzeitig bleibt die aktuelle Unterrichtsversorgung eine große Aufgabe. Der Minister berichtete darüber, dass Lehrkräfte zeitweise gezielt an Schulen mit besonders angespannter Situation eingesetzt wurden. Nach seinen Angaben habe beispielsweise die Unterstützung der Oberschulen dazu beigetragen, den Unterrichtsausfall dort zu reduzieren und einen weiteren Anstieg zu verhindern.
Nicht nur Strukturen, sondern auch Unterricht verändern
Für den Kultusminister geht es allerdings nicht allein darum, wie viele Schulen, Klassen oder Lehrkräfte Sachsen künftig benötigt. Auch die Frage, wie Unterricht gestaltet wird, nahm breiten Raum ein.
Der Minister sprach über die Leistungen der Schülerinnen und Schüler insbesondere beim Lesen, Schreiben und Sprechen und darüber, wie grundlegende Kompetenzen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken können.
Gleichzeitig soll Schule stärker anwendungsorientiert werden. Als Beispiel nannte er eine Bewerbung: Statt einzelne Inhalte ausschließlich getrennt in Deutsch, Wirtschaft oder anderen Fächern zu behandeln, könnten solche lebensnahen Aufgaben verschiedene Kompetenzen miteinander verbinden.
Diese Überlegungen finden sich auch im Strategieprozess „Bildungsland Sachsen 2030“ wieder. Lehrpläne sollen modernisiert, Unterricht stärker fächerverbindend gedacht und selbstorganisiertes Lernen weiterentwickelt werden.
Genau dazu meldete sich auch ein Schüler zu Wort. Er fragte, wie selbstorganisiertes Lernen funktionieren könne, wenn Schülerinnen und Schüler bereits heute teilweise wenig Motivation hätten. Kultusminister Clemens bedankte sich ausdrücklich dafür, dass er den Mut hatte, selbst auf die Bühne zu kommen. Daraus entwickelte sich eine interessante Diskussion über Motivation und darüber, ob Schülerinnen und Schüler bei manchen Unterrichtsinhalten ausreichend erkennen, wofür sie diese später benötigen.
Smartphones, Social Media und Medienbildung
Eng damit verbunden war die Frage nach der zunehmenden Nutzung von Smartphones und sozialen Netzwerken. Kultusminister Clemens verwies auf teilweise sehr hohe Bildschirmzeiten von Kindern und Jugendlichen und die möglichen Auswirkungen auf Aufmerksamkeit und Lernen.
Aus dem Publikum kam allerdings auch die Frage, ob Verbote allein ausreichen können. Wenn die Nutzung von Smartphones eingeschränkt werde, müsse gleichzeitig vermittelt werden, wie Kinder und Jugendliche verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen.
Der Minister machte deutlich, dass Medienbildung deshalb nicht verschwinden soll. Bestehende Angebote müssten aber auch danach bewertet werden, ob sie in der Praxis tatsächlich genutzt werden und den gewünschten Nutzen bringen. Medienkompetenz soll weiterhin Bestandteil schulischer Bildung bleiben.
Große Diskussion über Kitas und Betreuungsschlüssel
Nach dem Impuls des Ministers begann der längste Teil des Abends. Für rund eineinhalb Stunden gehörte die Bühne den Gästen. Wer eine Frage hatte, konnte nach vorn kommen, ein kurzes Statement abgeben und direkt mit dem Kultusminister diskutieren. Auch Nachfragen waren möglich.
Schnell entwickelte sich die Situation in den Kindertageseinrichtungen zu einem Schwerpunkt.
Eine Erzieherin machte deutlich, dass der offiziell ausgewiesene Betreuungsschlüssel nicht immer dem entspreche, was Beschäftigte im Alltag erleben. Verbesserungen seien kaum spürbar, wenn gleichzeitig Stellen nicht wiederbesetzt oder Gruppen zusammengelegt würden.
Der Minister erläuterte hierzu die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Der Freistaat könne die gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen beeinflussen, über die konkrete Struktur der kommunalen Einrichtungen und mögliche Schließungen entschieden jedoch die Kommunen und Träger vor Ort.
Gleichzeitig verwies er darauf, dass der Freistaat bereits zusätzliche Mittel bereitgestellt und den Landeszuschuss je Kind erhöht habe. Dennoch blieb in der Diskussion deutlich: Die Verbesserung der tatsächlichen Betreuungssituation bleibt eine wichtige Aufgabe.
Was passiert mit Kitas im ländlichen Raum?
Daran schloss sich die Frage an, wie mit sinkenden Kinderzahlen insbesondere im ländlichen Raum umgegangen werden soll.
Aus dem Publikum wurde davor gewarnt, erneut Strukturen abzubauen, die später nur schwer wiederhergestellt werden können. Kultusminister Clemens machte zugleich deutlich, dass die demografische Entwicklung nicht vollständig ausgeglichen werden könne. Wenn deutlich weniger Kinder geboren werden, werde sich dies zwangsläufig auch auf die Auslastung einzelner Einrichtungen auswirken.
Damit entstand eine sehr offene Diskussion über die Abwägung zwischen wohnortnaher Betreuung, guten Betreuungsschlüsseln und langfristig tragfähigen Einrichtungen. Gerade hier zeigte sich, dass die Herausforderungen vor Ort sehr unterschiedlich sind und einfache Antworten häufig nicht ausreichen.
„Vergesst die Horte nicht“
Auch die Horte spielten an diesem Abend eine wichtige Rolle. Eine Hortleiterin machte deutlich, dass deren Situation in der öffentlichen Debatte häufig weniger Aufmerksamkeit erhalte als Kita und Schule.
Sie schilderte die Betreuung großer Kindergruppen und die damit verbundenen Belastungen für die Beschäftigten. Der Minister nahm die Hinweise auf und machte deutlich, dass bei der weiteren Diskussion über Betreuungsschlüssel auch die Situation der Horte betrachtet werden müsse.
Für uns als CDU Freital war diese Wortmeldung besonders wichtig, denn eine verlässliche Bildungs- und Betreuungslandschaft besteht eben nicht nur aus Schule und Kita. Auch der Hort gehört dazu.
Förderschulen, Lehrerausbildung und freie Schulen
Weitere Fragen beschäftigten sich mit der Zukunft der Förderschulen und der Sonderpädagogik. Angesprochen wurde unter anderem die Situation, dass sich zwei Förderschulen zeitweise eine Schulleitung teilen.
Minister Clemens erläuterte die Schwierigkeiten bei der Gewinnung ausreichend qualifizierter Fachkräfte und sprach über die stärkere Verankerung sonderpädagogischer Kompetenzen in der Lehrkräfteausbildung. Auch die Ausbildungskapazitäten und die Frage, wie mehr Nachwuchs für diesen Bereich gewonnen werden kann, wurden thematisiert.
Eine Referendarin sprach wiederum die Belastungen während des Vorbereitungsdienstes an. Der Minister erläuterte die Maßnahmen, mit denen Referendarinnen und Referendare derzeit stärker zur Unterrichtsversorgung beitragen, und verwies zugleich auf geplante Entlastungen an anderen Stellen der praktischen Ausbildung.
Auch Vertreter freier Schulen nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Finanzierung und zu Genehmigungsverfahren anzusprechen. Clemens schilderte dabei auch die Perspektive des Ministeriums und die Schwierigkeiten, die entstehen können, wenn Anträge sehr kurzfristig oder noch nicht vollständig vorliegen.
Zwei Stunden Diskussion – und danach noch lange nicht Schluss
Um 21 Uhr musste der offizielle Teil schließlich beendet werden. Das Interesse war damit allerdings noch lange nicht erschöpft. Zahlreiche Gäste blieben im Saal und nutzten die Möglichkeit, ihre Fragen im persönlichen Gespräch mit Kultusminister Conrad Clemens und den anwesenden CDU-Vertretern weiter zu vertiefen.
Für uns als CDU Freital war dieser Abend deshalb besonders wertvoll: Nicht übereinander, sondern miteinander sprechen – und diejenigen zu Wort kommen lassen, die jeden Tag selbst erleben, wo Schule, Kita und Hort gut funktionieren und wo Veränderungen notwendig sind.
Kultusminister Conrad Clemens stellte sich dabei rund eineinhalb Stunden den unterschiedlichsten Fragen und Nachfragen und erläuterte auch bei schwierigen Themen ausführlich seine Position und die Handlungsmöglichkeiten des Freistaates.
Unser Dank gilt ihm für den offenen Austausch, Peter Darmstadt für die Moderation und insbesondere den rund 95 Gästen, die mit ihren Erfahrungen, Fragen und Hinweisen für eine intensive und sachliche Diskussion gesorgt haben.